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Fleisch oder nicht Fleisch, das ist hier die Frage

Gemäß der Welternährungsorganisation der UNO trägt die Nutztierhaltung mehr zur Klimaerwärmung bei als der gesamte Verkehr. Dennoch wird dies in den meisten Klimadiskussionen konsequent ignoriert.
- Artikel von: Elmar Völkl/TU-Wien

© aus IPPC-Bericht: manure lake 900hog farm
900 Mastschweine – eingesperrt in den zwei Hallen im Hintergrund – produzieren soviel Fäkalien, dass sich ein großer Güllesee bildet

© aus IPCC-Bericht 2007: dairyrunoff
Massen-Kuhhaltung Tiere


Dieser – für viele offenbar sehr unliebsame – Zusammenhang zwischen Ernährung und Klimawandel wird im Folgenden näher erläutert.

In einem empfindlichen Gleichgewicht sorgen verschiedene treibhauswirksame Gase in den oberen Schichten unserer Atmosphäre für eine Reduktion der Rückstrahlung von Wärme in den Weltraum. In letzter Zeit häufen sich jedoch die Stimmen, die von einer anthropogen verursachten Veränderung der Troposphäre sprechen – und damit die menschliche Zivilisation für eine zunehmende Erwärmung unserer Planeten verantwortlich machen.

Die atmosphärischen Konzentrationen wichtiger Treibhausgase

Mehr oder weniger unauffällig hatten auch in der diesjährigen medialen Klimadiskussion VertreterInnen der Industrie versucht, die Temperaturschwankungen in einer natürlichen Schwankungsbreite untergehen zu lassen. Betrachtet man jedoch die atmosphärischen Konzentrationen wichtiger Treibhausgase über die letzten 10.000 Jahre ist bei Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4) und Distickstoffmonoxid („Lachgas“, N2O) mit Beginn der Industrialisierung ein scharfer Knick nach oben zu erkennen. Die vor 5.000 Jahren vorhandenen Konzentrationen schwächten den Treibhauseffekt sogar noch ab, anstatt ihn – wie heute – massiv zu beschleunigen. Dies ist nur eines von vielen Indizien dafür, dass die aktuelle Zunahme der mittleren Erdtemperatur sehr wohl von uns Menschen verursacht wird.

Nebenbei bemerkt stammen auch nur 2% des ökologischen Fußabdrucks von Lebensmitteln aus dem Transport der selbigen. Der Rest wird durch die Herstellung, Verarbeitung, Verpackung und den Anbau bzw. die Haltung/Zucht selbst verursacht.

Das „Global Warming Potential (GWP)“ eines Treibhausgases

Zu Unrecht wurde im populärwissenschaftlichen (und politischen) Diskurs bisweilen CO2 - als scheinbar hauptverantwortliches Treibhausgas – in den Mittelpunkt gestellt. Doch neben dem Kohlendioxid gibt es noch weitere Verbindungen, die bereits in wesentlich geringerer Konzentration den Treibhauseffekt vielfach stärker beeinflussen: Das „Global Warming Potential (GWP)“ eines Treibhausgases misst nicht nur die Fähigkeit der Absorption und Wiederabstrahlung von Wärmestrahlung, sondern berücksichtigt auch wie lange das Gas atmosphärisch wirksam bleibt. Das GWP von CO2 ist eins. Methan (CH4) ist bereits 23mal treibhauswirksamer als CO2. Das GWP von Lachgas (N2O) gar 296.
Während die Konzentration von CO2 in den treibhausrelevanten oberen Schichten der Atmosphäre im Zeitraum zwischen dem prä-industriellen 1750 bis heute um „nur“ 37% angestiegen ist, ist der Methangehalt auf 288% (!)des Wertes aus dem Jahr 1750 gestiegen. Die Konzentration an Lachgas in der Troposphäre hat im selben Zeitraum um 9% zugelegt.

Methan als wirksamsten Hebel zum Klimaschutz

Gewichtet man die Treibhauswirksamkeiten mit den anthropogenen Emissionsraten, identifiziert man daher sofort Methan als wirksamsten Hebel zum Klimaschutz!
Aufgrund der unterschiedlichen GWPs verschiedener Verbindungen wurde 2001 vom IPCC die Einheit „CO2-Äquivalente“ eingeführt, um die Wirksamkeit verschiedener Treibhausgase effektiv vergleichen zu können.

Die Ursachen der Erderwärmung

Mit diesem Vorwissen können wir uns nun konstruktiv dem landwirtschaftlichen Einfluss auf die Erderwärmung widmen:
Anfang dieses Jahres (2007) hat die UNO Food and Agricultural Organization (FAO) eine Studie ihres wissenschaftlichen Gremiums (IPCC – Inergovernmental Panel on Climate Change) über die Ursachen der Erderwärmung herausgegeben.

Die Emissionen der Nutztierhaltung

Darin werden 18% aller Treibhausgasemissionen – gemessen in CO2-Äquivalenten – dem Nutztiersektor zugesprochen; mehr, als das gesamte globale Transportwesen!
Vor allem mikrobielle Verdauungsprozesse und die anaerobe Zersetzung der Exkremente von 22 Milliarden - als „Nutztiere“ ontologisierter - Lebewesen machen die Nutztierhaltung global zur größten Methanquelle. Daneben spielen der CO2-intensive Primärenergieaufwand zur Futtermittelherstellung, Tier- und Futtertransporte und Lachgas- und Ammoniak-Emissionen aus der Düngemittelanwendung ebenfalls eine Rolle.

Während nur 9% aller anthropogen verursachten CO2-Emissionen auf die Nutztierhaltung zurückgeführt werden können, ist dieselbe für 37% aller anthropogenen Methan- und für 65% aller Lachgas-Emissionen verantwortlich. Betrachtet man die gesamte – rein pflanzliche und tierliche – Landwirtschaft, stammen hier 80% aller Treibhausgasemissionen aus der Erzeugung tierlicher Produkte.
Immerhin 64% der für den sauren Regen verantwortlichen Ammoniak(NH3)-Emissionen stammen ebenfalls aus der Nutztierhaltung.

70% des ursprünglichen Amazonas-Regenwaldes sind bereits dem Futtermittelanbau zum Opfer gefallen.

Nicht zuletzt ist die Umwandlung des positiv klimawirksamen tropischen Regenwalds in kommerzielles Weideland (soll heißen: Futtermittelanbau) ebenso ein Faktor der nicht gerade dazu beiträgt CO2 zu binden. So sind bereits 70% des ursprünglichen Amazonas-Regenwaldes bereits dem Futtermittelanbau zum Opfer gefallen.

Die sog. „Veredelung“

Die Tierproduktion ist nicht nur für die Emission klimaschädlicher Gase verantwortlich sondern trägt durch ihren exzessiven Energie- und Landbedarf (Futtermittel) auch zur Bodenerosion (Wüstenbildung, Auslaugung) bei und zeichnet sich durch massiven Wasserverbrauch aus. So ist z.B. zur Erzeugung einer tierlichen Kalorie im Schnitt die Verfütterung sieben pflanzlicher Kalorien nötig. Man könnte also viel mehr Menschen ernähren, würde man auf diese sog. „Veredelung“ verzichten.

ökologischer Fußabdruck einzelner Lebensmittel

Besonders eindrucksvoll werden die oben angeführten Tatsachen, wenn man sich den ökologischen Fußabdruck einzelner Lebensmittel vor Augen hält: So bringt bspw. die Produktion von 1 kg Rindfleisch die Emission von ca. 6400 g CO2-Äquivalenten mit sich. (Tier)Käse belastet die Umwelt gar mit über 8000 g CO2-Äquivalenten. Auf der anderen Seite schlägt selbst die ökologisch ungünstigste (weil raffinierte) pflanzliche Käse-Alternative – Tofu – mit nur 1200 g CO2-Äquivalente zu Buche. Alle anderen pflanzlichen Produkte vom einfachen Feldgemüse bis zu Teigwaren und Brot liegen allesamt unter 1000 g CO2-Äquivalente / kg Lebensmittel.

Die FAO-ExpertInnen erwarten bis 2050 mindestens eine Verdopplung des Fleisch- und Milchabsatzes.

In diesem Fall wird es zweifellos schwierig, auch nur die geringsten Klima-Zielverpflichtungen einzuhalten.

Statt einer Milchkuh, 18.000 km im Jahr mit dem Auto fahren!

„Eine Milchkuh emittiert im Durchschnitt 111,7 kg Methan im Jahr. Umgerechnet in CO2-Äquivalent entspricht das allein einer jährlichen Fahrleistung von 18.000 km eines von der Politik in der EU propagierten Personenkraftwagens mit einem durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 130 g/km. Rechnet man die von einer Milchkuh durch deren Wirtschaftsdünger emittierten Treibhausgase Methan und Lachgas hinzu, müssten weitere etwa 6.000 km Fahrleistung hinzuaddiert werden.“ (WWF Deutschland, November 2007)

Strategie zur Reduzierung des Konsums tierischer Produkte

National Centre for Epidemiology and Population Health The Australian National University Canberra, Australia
"Vorhandene Technologien zur Verringerung der durch Viehhaltung verursachten Emissionen würden [...] die Klimabelastung um nicht mehr als 20 Prozent verringern. Gemäß unserer generellen Strategie zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen befürworten wir deshalb eine Strategie zur Reduzierung des Konsums tierischer Produkte. Die Verringerung des Pro-Kopf-Verbrauchs in Staaten mit hohem Einkommen würde dann das allgemein reduzierte Niveau [des Fleischkonsums] definieren, das Länder mit niedrigem oder mittlerem Einkommen auch erreichen könnten."
Zu diesem Schluss kamen die Forscher einer Untersuchung, die im angesehenen wissenschaftlichen Magazin "The Lancet" am 13. September 2007 veröffentlicht wurde. Die Ergebnisse lassen außerdem darauf schließen, dass wenn bis 2015 jeder Mensch nur noch durchschnittlich 90 g Fleisch konsumiert, der Klimakollaps verhindert werden kann. Vor allem die Menschen in den Industrienationen sind dazu aufgerufen, ihren momentanen Durchschnittskonsum von 240g pro Person zu reduzieren. (National Centre for Epidemiology and Population Health; The Australian National University Canberra, Australia)

„Eine Tonne Methan, das wichtigste Treibhausgas in der Landwirtschaft, hat denselben Effekt auf die globale Klimaerwärmung wie 23 Tonnen Kohlendioxid (CO2).

Eine Milchkuh produziert jährlich 75 kg Methan, was über 1,5 Tonnen Kohlendioxid entspricht. Natürlich verhält sich die Kuh dabei ganz natürlich. Aber es scheint so, dass die Menschen dabei vergessen, dass die Landwirtschaft ein Industriezweig ist. Wir ebnen das Land, säen Weideland, züchten Nutztiere und so weiter. Es ist ein von Menschen gemachtes Geschäft, nicht etwas Natürliches. Darin sind wir sehr gut, deshalb stieg die Methangasemission um 150 Prozent in den vergangenen 250 Jahren, während die Kohlendioxidkonzentration nur um 30 Prozent angestiegen ist. „ Pete Hodgson, New Zealand Minister for Energy, Science, and Fisheries (WorldWatch Institut,Washington)

Einige Web-Tipps / Quellen:

Elmar Völkl, hat auf der TU-Wien Technische Physik studiert und schreibt gerade an seiner Dissertation am Institut für Chemische Technologien und Analytik. Daneben steht er verschiedenen NGOs beratend zur Seite.

Fotos: aus dem IPPC-Bericht

° Ernährung, Umwelt und Tierschutz

° Rechner für den eigenen ökoogischen Fußabdruck

° DieFAO-Studie

° revolutionäre Idee – echtes Fleisch ohne Tier(leid)

° Der Film "Earthlings" bietet detaillierte Einblicke in Tierhandlungen, Welpen-Fabriken und Tierheime sowie Massentierhaltungen, den Leder- und Pelzhandel, die Sport- und Unterhaltungsindustrie und schließlich den medizinischen und wissenschaftlichen Beruf.

° Supreme Master Television ist ein neuer Satellitenkanal, der 24 Stunden täglich, 7 Tage die Woche, eine Vielzahl ansprechender Programme in über 40 Sprachen und mit Untertiteln sendet.

° Den Artikel in der Zeitung "Permakultur Austria" lesen


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